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Kosten bei Pflege der Eltern

Grundsätzlich werden zur Finanzierung des Pflegefalls die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung, sofern sie gewährt werden, und die Eigenmittel des zu pflegenden Familienmitglieds bzw. seines Ehegatten herangezogen.
Im Normfall sind "angemessene" Immobilien, in der z.B. noch der Ehegatte wohnt davon ausgenommen.
Diese Gelder reichen in der Regel nicht aus, um die lange Zeit der Pflege zu finanzieren.

Wenn das Geld der Eltern nicht reicht

Einsatz von Vermögen für Pflegekosten
Kinder müssen nicht nur mit dem eigenen Einkommen, sondern ggf. auch mit dem eigenen Vermögen für Pflegekosten der Eltern aufkommen.
Ausgenommen ist davon das so genannte Schonvermögen beim Elternunterhalt. Dies bedeutet, dass Kinder nicht mit ihrem Vermögen die Pflegekosten ihrer Eltern finanzieren müssen, wenn das Geld für die angemessene eigene Lebensführung und Altersvorsorge benötigt wird.

Vom Einkommen werden die unvermeidbaren Ausgaben und ein Freibetrag abgezogen. Von dem, was übrig bleibt, muss die Hälfte für die Eltern abgegeben werden. Unvermeidbare Ausgaben sind z. B. ein Kredit fürs Haus oder Unterhalt für Kinder. Freibeträge: beim Ehepaar 2450 Euro, bei Alleinstehenden 1400 Euro. Darin enthalten ist z. B. die Miete.

Erwachsene Kinder sind ihren pflegebedürftigen Eltern gegenüber unterhaltspflichtig - wenn auch eingeschränkt. Die Unterhaltspflicht darf nicht so weit gehen, dass die Kinder das Eigentum an ihrer Immobilie verpfänden müssen, um den Pflegeheimplatz für die Mutter zu zahlen.

Lebensversicherungen werden nicht angetastet, solange sie der Altersvorsorge dienen. Werden sie z. B. zur Finanzierung von Immobilien genutzt, werden die Erträge angerechnet.
Grundsätzlich gilt für alle Vermögen (Sparguthaben, Lebensversicherungen) ein Freibetrag von mindestens 75.000 €. Alles darüber hinaus wird bei der Berechnung für die Versorgung der Eltern von den Sozialämtern angerechnet.

Ganz am Ende leistet die fehlende Finanzierung das Sozialamt - außer sie verdienen mehr als 100.000 € im Jahr. Dann bekommen die Eltern die Grundsicherung nicht, das Sozialamt springt ein und fordert das Geld wieder von den Kindern zurück.

Steuerlich absetzbar?

Es gibt Möglichkeiten, Teile der finanziellen Aufwände zur Unterstützung der zu pflegenden Angehörigen steuerlich geltend zu machen.
Dies muss aber richtig gemacht werden. Bei Finanztip lesen Sie wie.

Beispielrechnung

Als Beispiel nehmen wir folgende Familie:

Ein Ehepaar mit einem Kind.
Die Eltern des Ehemanns leben noch, Vater 65, Mutter 61 Jahre alt.
Der Vater hatte mit 65 Jahren einen Schlaganfall und muss mit Pflegestufe III ins Pflegeheim.

Situation der Eltern
Rente des Vaters900 €
Einkommen der Mutter0 €
Kosten für Heimplatz- 3.100 €
Kosten für sonstige Bedürfnisse des Vaters- 250 €
Lebenshaltungskosten für die Frau- 850 €
Summe-3.300 €
Leistung der gesetzl. Pflegeversicherung1.510 €
Fehlender Betrag-1.790 €

Situation der Kinder
Netto-Einkommen Sohn4.000 €
Netto-Einkommen Schwiegertochter2.000 €
Summe6.000 €
unvermeidliche Ausgaben- 1.300 €
üblicher Freibetrag- 2.450 €
Summe2.250 €

Der Sohn verdient 2/3 des Familieneinkommens und es ist sein Vater betroffen.
Daher müssen auch 2/3 des errechneten Beitrags abgegeben werden.
Leistbarer Betrag der Kinder2.250 €
mal 2/3 des zu leistenden Anteils1.500 €

Hiervon werden je nach Bundesland mindestens 50% und maximal 100% von den Sozialämtern erwartet.
zu leistenden Anteils1.500 €
mal 50% Anteilsverzicht750 €
Pflegekosten des Vaters-1.790 €
Offener Betrag-1.040 €

Die Kinder müssen vorerst 750 jeden Monat zuzahlen.
Die offenen 1.040 € zahlt in Vorleistung das Sozialamt über die Dauer der Pflegebedürftigkeit, wobei allerdings kein Anspruch auf Qualitätsverbesserung bei der Pflege durch die Familie gestellt werden darf.

Der Vater stirbt nach 3 Jahren im Pflegeheim.
Leistungen des Sozialamtes im Monat-1.040 €
Kostensteigerung pro Jahr2 %
Leistung des Sozialamtes in 3 Jahren-38.194 €

Zur Absicherung seiner Familie hat der Ehemann noch eine Kapital-Lebensversicherung abgeschlossen. Die 200 € Monatsbeitrag für die Versicherung sind schon im üblichen Freibetrag (s. o.) enthalten und werden nicht extra verrechnet.
Ebenso hat die Familie ein paar Geldanlagen und ein kleines Sparbuch
Höhe der Lebensversicherung100.000 €
Kapitalanlagen8.000 €
Sparbuch5.000 €
Mietvorteil durch Eigenheim 400 € / Monat14.400 €
Freibetrag (bis zu...)-100.000 €
Leistbares Vermögen22.400 €

Die Familie muss nach 3 Jahren 22.400 an das Sozialamt zurück zahlen.

Wenn der Freibetrag für Vermögen nur mit 75.000 € angesetzt würde, dann hat die Familie ein leistbares Vermögen von 47.400 € und müsste die gesamten Leistungen des Sozialamtes in Höhe von 38.194 € zurück zahlen!

Durch die monatliche Unterstützung kamen in den drei Jahren 27.000 zusammen.

Die Kinder müssen in Summe mind. 49.400 € beitragen

Vorsorgen

Der beste Schutz

Der beste Schutz vor finanzieller und emotionaler Belastung ist der Abschluss einer privaten Pflegeversicherung.
Welche Möglichkeiten es gibt, finden sie hier.

Wenn für den Vater im oberen Beispiel eine Pflegerentenversicherung abgeschlossen worden wäre als er 60 Jahre alt war, würde dies im Monat nicht ganz 31 € kosten. In den 5 Jahren bis zum Schlaganfall wären hier gerade mal 1.844 € an gesamtem Beitrag zu zahlen gewesen.
1.844 € statt 49.400 €

Literatur

Was passiert, wenn das Einkommen Ihrer Eltern für Pflege und Heim nicht mehr ausreicht? Wer ist zu Unterhalt verpflichtet und wenn ja, in welcher Höhe? Hier finden Sie alle Informationen, die Sie brauchen.